Kein Vater

Mittlerweile bin ich in einem Punkt, in dem die meisten Leute in meinem Alter bereits Eltern sind. Ich aber eben nicht. Ich stehe daneben und bin einfach nur verwirrt, manchmal geschockt, meistens aber amüsiert. Eltern machen komische Sachen. Sie verändern sich mit der Geburt ihres kleinen Terroristen schlagartig. Vorher Partysau, jetzt Profiwickler. Und das muss auch jeder erfahren. Immer und überall. Auch gern mal im Restaurant, beim Essen. Sehr leckere Angelegenheit. Die Ausscheidungen des Juniors passen übrigens super zu Pasta. Augenringe und verschlafene Stimme werden dann auch zum Erkennungszeichen. Während ich das Wochenende dazu nutze mich so wenig wie möglich zu bewegen (ich trainiere noch immer für Olympia ; Disziplin: Ruhern), müssen junge Eltern immer irgendwie raus. Raus aus dem Haus, rauf aufs Feld (da ist mehr Wind, man muss nur günstig stehen, dann riecht der Pups nicht mehr so stark). Sie haben plötzlich Accessoires, die kannte man vorher gar nicht, zum Beispiel das Babyphone und die Rassel (der Mann durfte aussuchen, also die McLaren Ausführung, mit Stern). Sie reden sich selbst nur noch mit Mama und Papa an, damit sich Junior schon mal dran gewöhnt.

Und trotzdem werden sie nicht müde dir zu erzählen, dass Kinder das größte Wunder dieser Welt sind, während sie sich gerade verzweifelt versuchen die Kotze von der Schulter zu wischen. Es bleibt immer ein Andenken zurück und wird nie mehr weggehen.

Naja, vielleicht bin ich auch nur neidisch, weil ich dieses Glück nicht erlebe. Ich als Single Mann.

Es ist aber immer wieder interessant, wie Kinder versuchen ihre Eltern zu verarschen. Und fast noch interessanter ist es, wie die Eltern reagieren. Manche resignieren und lassen ihre zukünftigen Bundeskanzler gewähren und alles erstmal antatschen, entschuldigen sich aber für alles. Manche ignorieren einfach alles und finden es total toll, wie Mason-James-Edward auf den Boden vor den Tresen pinkelt, meckern dann aber mit der dezent überforderten Burger King Fachverkäuferin, warum das hier so aussieht. Andere versuchen verzweifelt ihre zu engen Beckenboden-Ergebnisse irgendwie so im Zaum zu halten, dass sie nicht so auffallen. Und manche brüllen ihre Kevins einfach an.

Aber den Oberhammer hat gerade eine junge Mutter geliefert. Ihr Justin fing an zu quengeln, weil er unbedingt auf den Tresen wollte. Mama fing zu lächeln und sagte einfach nur “Miau”. Und zwar jedes mal, wenn er neu zu quengeln anfing. Immer mit anderer Stimmlage. Ich durfte dann auch mal. Das Kind war total verwirrt, aber ruhig.

Eltern können aber auch niedlich sein. Nämlich immer dann, wenn ihre Kinder etwas neues lernen und sie dir mit glänzenden Augen erzählen, was ihre Kleinen gerade geschafft haben.

Sie: 3 Schritte!!! 3 ganze Schritte!!!
Ich: Am Stück?
Sie: Ja!!! Naja… Also fast. Aber so insgesamt gesehen… Es waren 3 Schritte! Mein kleiner Held… (blickt verträumt)
Ich: Ein kleiner Marathonmann. (lächle)
Sie: Ja, nicht wahr??? Er wird mal ein ganz schneller!

Insgeheim mache ich mir Gedanken, was daran jetzt so besonders ist, freue mich aber natürlich mit ihr.

Oder wenn sie dir ganz stolz zeigen, was Junior schon alles sagen kann.

Sie zum Kind: Sag mal Mama.
Kind guckt verwirrt
Sie zum Kind: Sag mal Mama.
Kind lächelt
Sie lächelt zurück
Ich zu ihr: Ist doch kein Problem, wenn er jetzt nicht will.
Sie zu mir: Nee, warte mal. Kommt gleich!
Sie zum Kind: Sag mal Mama.
Kind gluckst und brabbelt los
Kind: nrrabahjfamamajfdrhn
Sie ganz stolz zu mir: Siehst du? Er hat es gesagt!
Ich lächelnd zu ihr: Joar… Irgendwie…
Sie zu mir: Hachja, er ist so toll!
Kind pupst.

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