Nachts im Wald (Abende – Teil 1)

19. Juni 2002
Nauen
00:32 Uhr
Es klingelt. Ich werde wach und bin noch absolut schlaftrunken. Es klingelt erneut. Wer ist das und was will Er? Ich gehe an die Gegensprechanlage. „Ja?“ frage ich. „Ich bins. Bist du endlich wach?“ sagt die Stimme am anderen Ende, die nur allzu gut kenne. Tille. „Nein“ sage ich. Womit ich absolut recht habe. „Mach dich in die Schuhe, wir fahren nach Brieselang“ schalmeit es mir entgegen. „Wasn da?“ frage ich und habe nicht übel Lust zu testen, wie sein Schädel auf meine Plastikgegensprechanlage reagiert. „Zum Licht. Die Weiber wollen es mal sehen. Und Du musst Dich um die eine kümmern, weil ich die andere haben will.“ Aha, da liegt der Fuchs begraben, denke ich und werde aber wach bei dem Gedanken das ich vielleicht nicht umsonst aufgestanden bin. „Hast du mal auf die Uhr geschaut?“ frage ich um etwas Zeit zu schinden. „Ja hab ich, mach hin“ sagt er und mir wird klar das heute wieder einer dieser Tage ist an denen er nichts anbrennen lässt. „Naja gut aber Du schuldest mir dann was.“ sage ich und hoffe das er notgeil genug ist darauf einzugehen. „Ist klar, mach Trieb“ sagt er und für mich hört sich das ganz klar nach einem Ja an. Juhu, denke ich, denn ich bin ja schon seit längerem hinter seiner Cousine her. Ein bissl Unterstützung schadet bekanntlich ja nie. Jetzt aber schnell.

5 min später

Ich schließe die Haustür auf und vor mir erstreckt sich der wohl hässlichste Betonpfeiler mit Brustwarzen in voller Breite aus. Verdammt, denke ich als ich sie sehe, irgendwoher kenne ich sie. Ich hatte neulich mal einen Artikel über Schächtung gelesen und eines der Tiere war dort abgebildet.
Oder war es doch der Artikel über die überfahrenen Überreste toter Tiere?
Ich weiß es nicht mehr. „Hallo, ich bin die Jaqueline und du musst der Nico sein.“sagt sie mit einer Stimme die Kreide an der Tafel überflüssig macht. Verdammt,denke ich, die weiß jetzt nicht nur wo ich wohne sondern auch noch wie ich heiße. Aber ich bin ja ein netter Kerl. „Hallo Jaqueline, freut mich dich kennen zu lernen“antworte ich. „Können wir dann?“ fragt Tille der die Augen nicht von Tina`s wirklich sehr engem Oberteil lassen kann. „Na dann los, ich will wieder ins Bett“ sage ich. „Steigt alle ein.“kommt es von rechts vorn mit der Stimme eines Engels. Tina. Ich steige ein und versuche mich neben dieses Kunstwerk eines sehr mutigen Schalungstechnikers mit Hang zur Depression zu setzen. Unser Gefährt für diesen Abend ist ein Opel Corsa A.

Er ist eng!
Sehr eng!
Zu eng!!!

Ich schaffe es einen Luft-hol-Rhythmus zu finden der genau dann beginnt wenn sie ausatmet. Naja es sind ja nur 8 km bis nach Brieselang.

Sehr lange 8 km!
Zu lange 8 km!!

Ich überlege mir gerade ob ich nicht einmal bei Christiansen anfragen sollte, ob sie nicht mein Thema in der nächsten Sendung haben will:

„Hilfe, mein Stahl-Beton scheint in mich verknallt zu sein!!!“

Ich schaue nach links und sehe ihren Blick mir gegenüber. Ich kriege Angst. Ah, sie bemerkt das ich nervös werde. Ich glaube aber, das sie das falsch versteht.

Ich habe keine Angst mit Ihr zu reden, ich habe angst vor ihr.
Ich will nicht neben ihr sitzen!
Ich will nicht neben ihr stehen!!
Ich will nicht das sie in meiner Nähe ist!
Ich will nicht das sie nur 5 km weg ist!
Ein anderer Erdteil wäre ne Alternative,der Südpol oder so.
Ich glaube ich mag sie nicht.
Ich glaube ich werde sie auch nicht mögen.

Aber ich bin ja ein netter Kerl. Die sehr laute Musik macht eine Unterhaltung absolut unmöglich. Ich mag sehr laute Musik in solchen Momenten. Dankbarkeit ist das Gefühl das ich gerade für Tille empfinde. Ich kann mich eh nicht unterhalten, ich bin damit beschäftigt nicht aus meinem Luft-hol-Takt zu geraten.
Brieselang Ortsschild
Endlich!
Direkt nach der Brücke fahren wir links in die Straße und ich bekomme arge Probleme, denn Jaqueline hat es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht mir sämtliche Organe zu zerstören. Nach 100 Metern gleich nochmal links und mir wird schwarz vor Augen. 75 Meter weiter geht es nach rechts unter der Bahnbrücke durch und 30 Meter weiter wieder nach rechts. Ich kann gerade sehr gut atmen und die überschüssige Luft die ich gerade einatme bewirkt das mir erstens schwindelig wird und zweitens sehe ich gerade gefühlte 6 Millionen Farben. Ich fühle Glück aber auch Angst. Ich denke, so müssen sich Taucher fühlen wenn sie zu schnell aufsteigen. Aber wenn dem so ist, kann es sein das durch den gefallenen Druck auf die Lunge, sie platzt. Das macht mir Angst.
Es geht jetzt ein ganzes Ende geradeaus. Nach ca. 500 Metern teilt sich die Straße in 3 Straßen. Eine biegt 90 Grad nach links ab, eine ca. 45 Grad und die dritte läuft geradeaus weiter. Wir nehmen die goldene Mitte. Diesmal war der Druck nicht ganz so übel. Ich kenne diese Strecke und habe vorsichtshalber tief eingeatmet. Nun noch 600 Meter und noch eine Linkskurve und eine Kreuzung und nochmal 400 Meter und wir sind am Wald. Ich hoffe nur das er den Wagen draußen stehen lässt. Plötzlich kräht es neben mir: „Müssen wir viel laufen?“ Tille schweigt. Er stellt den Innenspiegel etwas nach rechts, so das wir uns in die Augen schauen können und fängt an zu grinsen. Er sieht mein verzweifeltes und flehendes Kopfnicken aber er grinst einfach nur weiter.
Ich kenne dieses Grinsen. Es ist das schelmische Grinsen. Irgendwas heckt er gerade aus. „Nein, wir fahren direkt rein.“ flötet er grinsend. Meine Vorstellungen was ich jetzt am liebsten mit Ihm machen würde verlassen den Jugendfreien Raum. Nachdem ich wieder atmen kann, da wir die letzte Kurve vor dem Wald durchquert haben, wird mir wieder schwindelig. Mir fällt ein, das ich diesen Weg ja kenne in dem Wald, da ich vor ein paar Jahren hier im Forst mal ein Praktikum gemacht habe. Wenn man in den Wald kommt, fährt man direkt auf eine T- Kreuzung zu von der es nur nach rechts und links abgeht. Wir müssen nach rechts um nicht wieder im Dorf zu landen. Aber wenn man nach rechts fährt, steht man vor einer Schranke. Ich hoffe der Förster hat sie geschlossen. Wir sind an der T- Kreuzung angekommen. Er biegt rechts ab und: Verdammt die Schranke ist offen. Ich mag den Förster heute nicht mehr! Naja nur noch 500 Meter und wir sind am Ziel. Einfach, denke ich, rechne aber nicht mit dem Zustand des Weges. Er ist eng. Sehr eng. Links und rechts Ragen die Bäume und Sträucher auf den Weg. Aber Tille scheint dies nicht sonderlich zu stören er gibt Gas. Nun schüttelt es nicht mehr nur noch links von mir sondern auch noch von unten.
Es wird still. Und hell. Ich glaube ich bin in Ohnmacht gefallen. Ich höre Musik. Aber nicht diese Musik die bei Tille im Auto lief sondern ein Streichquartett. Es spielt Highway to Hell von AC/DC. Jetzt bin ich doch etwas verwirrt. Setze mich aber doch auf den Sessel der mir gegenübersteht und genieße. Ich sitze dort ca. 2 min und plötzlich:

QUIIIIETSCH!!!

Wir stehen und ich bekomme Luft. Alles wieder dunkel. Ich bin also zurück. Schade.
Naja, jetzt nichts wie raus aus dem Vehikel und die Organe wieder an den angestammten Platz zurück schütteln.
Wir sind endlich da!!!

Der Wald von Brieselang ist zwar nicht groß aber er ist dicht. Wir stehen an einem Punkt der mir als Sternweg in Erinnerung bleiben wird, denn von dieser stelle führen 5 Wege ab. 4 führen fast wie ein Kompass in alle Richtungen: Nord,West, Süd und Ost. Der 5. führt zwischen zweien weg. Also Nord- Ost.Wir stehen da und Tille ist immer noch am graben bei Tina. Jaqueline versucht sich etwas bei mir anzuschmiegen, was ich sofort abblocke indem ich ihr mitteile ich müsse mal schiffen gehen. „Soll ich halten kommen?“, fragt sie und mich schüttelt es. „Nee lass mal so schwer ist er nun auch nicht“ antworte ich und könnte mir im selben Augenblick schon auf die Zunge beissen aufgrund dieser Aussage. „Naja wenn was ist kannst du ja Bescheid geben.“ sagt sie mit einem leicht enttäuschtem Unterton. Ich freu mich und denke das sie es nun mitbekommen hat, das ich sie nicht mag. Ich steh nun etwa 25 Meter weg vom Auto von dem es anfängt zu kichern. Tille, dieser Sack, so notgeil wie heute hab ich ihn schon lang nicht mehr erlebt. Egal, ich bin nur eifersüchtig wieso er die ganzen Granaten abbekommt. Auf einmal spüre ich heissen Atem hinter mir. Ich bin noch gar nicht fertig, da packt eine Hand nach vorn und will mir an meinen Kleinen.Einen Moment später fängt Jaqueline an zu kreischen. Diese Stimme ist unverkennbar und sollte mich noch die nächsten 3 Wochen als Tinitus verfolgen. Sie rennt zum Auto zurück und ich denke mir: Ich hab nix gemacht, ich sagte doch ich müsse pinkeln. Doch der Schrei gilt nicht mir oder dem leicht feuchten Faux pas dem sie erlegen war. Sie hatte sich vor einer Eule erschreckt die sie beobachtete. Danke liebe Eule sage ich brav und dankbar und mache mich auf den Weg zurück zum Auto.
Angekommen schaue ich mich um und sehe eine ängstlich dreinblickende Tina und einen grinsenden Tille. „Und“, sage ich,“ hast du deine Hose geöffnet oder warum schaut Tina so?“ „Nö“, antwortet er, „ich hab ihr gerade vom Leuchter erzählt.“ In dem Moment fängt Tina an zu kichern und sagt: „Ich glaub nicht das mir der Inhalt der Hose Angst machen wird.“ Ich denke, Fettnäpfchen erwischt Tille. Als er mein Grinsen sieht, wird seines schief.

Ahhh er hats begriffen.

Jaqueline nähert sich schon wieder, verdammt, wie werd ich sie nur los? „Tille“, sag ich, „erzähl mal weiter.“
Und er beginnt von vorn. „Also“, er legt den Kopf etwas nach vorn um bedrohlicher oder schauriger auszusehen, „es war vor ca. 50 Jahren das ist eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter hier durch den Wald,“ wobei er eine sehr ausladene Geste von sich gibt. „Natürlich war es Nacht und etwas vernebelt. Aber die beiden mussten hier entlang da es die Umgehungsstrasse noch nicht gab. Was die 2 nicht wussten war, das zu dieser Zeit ein Kinderschänder und Mörder hier sein Unwesen trieb.“ Ich blicke mich um und sehe Jaqueline und Tina in die Augen und merke das die beiden langsam und allmählich steif werden. Kalt ist es heut ja nicht also muss es wohl an der Erzählung liegen. Komisch, ich find sie noch garnicht schlimm. „Just an diesem Abend fand dieser Mörder seine beiden nächsten Opfer. Ja genau, unsere beiden Mädels.“ Ich merke das die Damen anfangen zu zittern. Tille du solltest Geschichtenerzähler werden. „Und seit diesem Abend streift der Geist des kleinen Mädchens durch den Wald. Immer auf der Suche.“ „Was sucht sie denn?“, fragt Jaqueline ganz steif und zitternd. „Ja, da scheiden sich sozusagen die Geister.“ sage ich um mich mal wieder einzubringen. „Stimmt,“ wirft Tille ein mit nem Grinsen das mir zeigt das er diesen Wortwitz verstanden hat, „einige sagen sie sucht Ihren Frieden…“ „Und die anderen?“ fragt Tina mittlerweile äußerst ängstlich. „Tja, die anderen sagen sie sinnt auf Rache.“ endet er und verstummt. Einen Moment lang ist es extrem ruhig. Die Pause. Perfekt. „Und wie erkennen wir, wie sie gelaunt ist?“ fragt Tina. „An der Farbe,“ sage ich fahre fort,“ wenns weiß ist brauchen wir uns keine Sorgen zu machen.“ „Aber wenn es rot wird sollten wir rennen!“ führt Tille fort. „U…u..un.und wie ist sie heute drauf?“ fragt Jaqueline mit schlotternder Stimme. „Das werden wir sehen wenn wir sie sehen.“ sage ich. Wieder Stille. 1Minute , 2Minuten. Auf einmal lässt Tina einen erstickten Schrei los und blickt panisch in den südlichen Weg. Wie vom Blitz getroffen drehen wir restlichen 3 uns um, um zu sehen was sie erschreckt hat. Tatsächlich das muss es sein. Ein Licht hoch oben in den Bäumen, es ist weiß. Es steht. Ich denke gerade noch an einen Stern als es beginnt zu tänzeln. Erst nur ein wenig dann immer mehr. Es wirkt als würde es schwingen wie ein Gewicht an einem Faden. Und es kommt näher, nur sehr langsam aber stetig. Mir wird sehr unwohl zumute. Aber nicht nur mir sonder den 2 Grazien auch. Ich sage: „Tille ich denke wir haben genug gesehen.“ „Weichei!“ lässt er von sich hören, aber den Blick nicht von dem Licht 20 Meter vor uns gerichtet. „Ich sehe gerade noch im Augenwinkel wie die Mädels sich wieder ans Einsteigen machen, als Tille von sich gibt:“ Jepp, nun sollten wir gehen!“ Ich schaue hoch zum Licht und sehe wie es sich verfärbt. Von weiß nach gelb nach rot. Und es wird schneller. Ich gebe gern zu ich habe Schiss und zwar ne ganze Menge. Die Mädels fangen an langsam durchzudrehen und bei mir ist es auch nicht mehr allzuweit entfernt. Ich mache mich auf den Weg zur Beifahrerseite um mich neben Jaqueline zu quetschen. Angelangt am Vehikel dreh ich mich zu Tille um, um zu schauen wo er bleibt. Er steht da und bewegt sich nicht ein bisschen. Wie angewurzelt. Ich brülle:“ Alter beweg dich!“ Er dreht sich um, läuft zum Auto und hätte dabei fast das Schlagloch, direkt vor ihm übersehen. Kein Wort kommt von ihm oder jemand anderem im Wagen. Tille schaltet das Auto an und gibt Gas…

Die nun folgenden Ereignisse geschehen innerhalb von wenigen Minuten. Ich denke schon garnicht mehr an den Atemrythmus den ich mir angeeignet habe. Ich hoffe nur noch, das ich zuhause ankomme. Der Grund dafür sitzt vorne links.
Tille rast mit einer Geschwindigkeit über den Waldweg, die selbst die erfahrendsten Rallyfahrer zum schwitzen bringen dürfte. Ich kann, dank einem Schlagloch das mich kurz aus dem Sitzt hebt und mir die Decke nah bringt, einen kurzen Blick auf den Tacho erhaschen und was ich sehe macht mir Angst. Dort steht 120km/h. Ich habe Angst. Mittlerweile nicht mehr vor dem Licht sondern nun eher vor Tille. Er wirkt wie paralysiert, als er in die Linkskurve einbiegt, die uns wieder in die Zivilisation bringt. Kein Zwinkern, kein Blick in den Spiegel, nur eine Zigarette die wie wild glüht als wenn er durch sie atmen würde. Ich schaue nach links und sehe Jaqueline die wie wild versucht sich im Vordersitz festzukrallen. Denn einen Halte- oder Angstgriff gibt es nicht. Ich für meinen Teil habe entdeckt das der Gurt ne gute Alternative darstellt zum: Irgendwo festhalten. Er fliegt nahezu über die menschenleeren Straßen Brieselangs. Nichteinmal ein Hund oder eine Katze sind zu hören oder zu sehen. Wir erreichen die 2. Kurve und er fliegt hindurch. Ein Rallyfahrer wäre stolz diese Kurve so eng und sicher genommen zu haben. Doch hier fährt kein Rallyfahrer sondern Tille. Ich mache mir ernsthaft Sorgen um ihn denn noch immer keine Regung seinerseits. Nach 1 Minute endlich eine Regung von ihm. Er greift zur Schachtel Zigaretten, die dort auf dem Amaturenbrett hin und herschleudert. Er nimmt die Zigarette die er aus der Schachtel nimmt und tauscht sie mit der aus dem Mund und macht sie mit der an. Mittlerweile haben wir Brieselang verlassen und haben die Kreuzung nach Bredow erreicht. Ich weiß nur zu gut was passiert wenn er diese Strecke zu schnell nimmt. Auf dieser recht kurzen Strecke befindet sich eine kleine Brücke. Diese Brücke ist nicht eben und daher langsam zu nehmen. Diese Brücke ist auch Schauplatz vieler Irrer die sich ihre Autos zerstören wollen. Ich weiß das, denn ich war einer von denen. Bei 80 km/h Verliert das Fahrzeug die Bodenhaftung und fliegt für einen kurzen Augenblick. Den Rekord an Geschwindigkeit hat mal ein Brieselanger aufgestellt mit 160 km/h und wie man später festgestellt hat 2 gebrochenen Achsen. Tille fährt 120 km/h. Zu schnell für meinen Geschmack. Aber da die Brücke in Sichtweite rückt und er keine Anstalten macht zu bremsen, reagiere ich und greife zur Handbremse. Mit einer ruhigen Hand was für meine Verhältnisse eher die Ausnahme ist, ziehe ich behutsam am Knüppel. Die Anzeige für die Handbremse leuchtet auf und ich denke mir noch, hoffentlich merkt er was. Aber Fehlanzeige, er gibt unverändert Gas. Das leichte Anziehen bewirkt aber das das Fahrzeug langsamer wird. Sehr schön, denn 200 m vor der Brücke sind wir nur noch bei 100 km/h. Ich ziehe noch ein klein wenig und hoffe das es reicht. Und…
Ein Glück es hat gereicht. Mir hebt und senkt sich zwar der Magen auf Grund der Wölbung der Brücke aber immernoch besser als abzuheben und eventuell im Graben zu landen. Ich löse die Handbremse wieder und lehne mich halbwegs entspannt zurück. Ich blicke wieder nach links und sehe in Jaquelines Augen und betrachte sie nun nicht mehr als so extrem abstossend. Ich überlege sogar gerade ob ich sie nichtmal zum Essen einladen sollte, als das Auto in die nächste Kurve einbiegt. Ich höre meinen Kopf wie er mich quasi anbrüllt: Lass es so nah am Tod warst du nicht. Und so verzweifelt bist du auch nicht.
Stimmt, denk ich mir und blicke wieder nach vorn um zu sehen was passiert. Ich merke wie Tille wieder nach vorn zur Schachtel greift und die nächste Zigarette aus der Schachtel nimmt. Und wieder tauscht er die Alte mit der Neuen und zündet sie mit der Alten an. Ich bekomme langsam den Verdacht das er die Dinger frisst. Noch circa 1 km bis zum Abzweig Bredow/B5. Nur noch gerade Strecke und ich fange langsam an mich zu entspannen. Das Schlimmste ist bereits überstanden hoffe ich. Tina dreht sich um und schaut genauso ängstlich und verzweifelt drein wie Jaqueline. Noch immer ist kein Wort ist gefallen. Wenn das Motorengeräusch nicht wäre, hätten wir wieder diese unheilvolle Stille im Auto gehabt. Er biegt ab nach Nauen auf die B5 und ich merke wie meine Anspannung nun weiter absackt. Als wir nach Nauen einfahren ist er zwar immernoch zu schnell unterwegs aber nicht mehr so schnell wie kurz vor Bredow an der Brücke. Als wir ein neues Schlagloch überqueren das ich noch nicht kannte und mein Kopf wieder zu nah an die Decke kommt, kriege ich Kopfschmerzen. Das ist mir aber im Moment egal, da ich mir gerade überlege wie ich ihm diese Heimfahrt danken soll. Ich tendiere im Moment zu teeren und federn. Mir ist klar das diese Art von Bestrafung altmodisch ist aber angemessen wie ich finde. Als wir am Rathaus nach links in die Brandenburger Straße abbiegen in der ich wohne werde ich glücklich. Mit einem quietschen das seine Nachahmer sucht hält Tille vor meiner Wohnung an und schaltet den Opel aus. Als Tina mich rauslässt stürme ich um den Wagen herum und packe Tille, der auch gerade ausgestiegen ist, am Kragen. Er schaut mir in die Augen und ich will gerade losbrüllen als er den Kopf schüttelt, sich umschaut und mich verwirrt fragt: „Warum sind wir hier und nicht im Wald?“ Ich bin nun auch verwirrt und frage ihn:“ Was soll das heißen? “ „Na…. Wir waren doch eben noch….“ versucht er es nochmal. „Nee“, sage ich,“ Du bist gerade mit uns im Affenzahn nach Nauen gerast.“ „Erzähl doch keinen Müll, wir waren doch vor 2 Minuten noch im Wald. Ich bin doch nicht bekloppt!“ sagt er „Das kommt fast hin. Und du hättest uns fast dabei umgebracht!“ antworte ich ziemlich sauer. „Ich muss erstmal eine rauchen“ versucht er sich zu sammeln und greift nach der Schachtel im Wagen. „Ey, wo sind meine Kippen hin? Da waren 3 mehr drin ich hab sie gezählt!“ wird er wütend und blickt in die Runde die nun um in steht. „Merkst du noch was?“ fragt Tina sichtlich sauer. “ Die hast du auf dem Weg hierher geraucht.“ „Ach Quatsch erzähl doch nicht, die habt ihr euch genommen. Wenn ihr sie euch nehmt sagt wenigstens Bescheid.“ Ich sage „Tille sie hat recht, die hast du auf dem Weg hierher geraucht und hast mit der einen die andere angemacht.“ „Bist du dir sicher?“ fragt er verwirrt. „Ja“ antworte ich. Nachdem wir noch runde 10 Minuten zusammen gesessen und uns angeschwiegen haben bin ich wieder nach oben in mein Bett aber nach dem Erlebten war für mich die Nacht vorbei.

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