Einzigartig 

Gestern flatterte mir folgender Text mehrfach durch die Timeline: 

“Kinder mit Behinderungen sind nicht komisch oder seltsam. 😱

Sie wollen, was jeder will !!! 😞

Einfach akzeptiert werden !!! 😍

Darf ich was fragen ??? 😋

Ist jemand bereit, dies zu kopieren ???”
Ich habe lange überlegt, ob ich etwas dazu sage. Ob ich überhaupt etwas dazu sagen darf. Ich habe mich dafür entschieden, weil es mich am Rande eben auch betrifft. 
Ich glaube, solange man Menschen mit Behinderung, ob nun körperlich oder geistig, als etwas anderes erkennt, selbst wenn man sie akzeptiert, wird man sie nicht vollständig einbeziehen. Sie sind eben anders. Aber ist das so in Ordnung? Jeder Mensch ist auf seine Art einzigartig und wird auch einzigartig denken und handeln. Ich möchte nicht als Mensch mit Behinderung akzeptiert werden. Ich möchte als Mensch gesehen werden, ohne vorheriges Adjektiv. Nur als Mensch. 

Ich kann mir nicht anmaßen für Behinderte zu sprechen, vor allem, da ich nur am Rand betroffen bin. Was ich sage gilt nur für mich und kann für andere wieder ganz anders sein. Ich weiß nicht wie es ist, sein gesamtes Leben in einem Rollstuhl zu verbringen, oder nichts sehen, hören und/oder sagen zu können. Ich weiß nicht wie es ist, sein Leben lang auf Hilfe von Fremden angewiesen zu sein. Ich weiß nur wie es ist, in meiner Haut zu stecken, meine Welt zu erleben. Ich habe aber in meinen mittlerweile 35 Lebensjahren mit vielen Menschen gesprochen und vieles gelernt. 

Rollstuhlfahrer finden es nicht besonders cool, wenn man sie einfach ungefragt schiebt, ihr würdet es auch nicht toll finden, wenn man euch einfach auf den Arm nimmt und euch jeder Kontrolle entzieht. Blinde finden es auch nicht cool, wenn man sie unterhakt und mitnimmt, sie haben in ihrem Leben gelernt auf bestimmte Dinge früh zu reagieren und wenn ihr ihnen diese Möglichkeit nehmt, entzieht ihr ihnen auch dort wieder die Kontrolle. Viele geistig Behinderte haben einen festen Tagesablauf um ihr selbstständiges Leben zu meistern und Spontanität gehört selten dazu. Wenn ihr jemanden also etwas Gutes tun wollt, kann es also sein, dass ihr damit genau das Gegenteil bewirkt. Wie gesagt, das gilt nicht für alle aber für die, die ich kennengelernt habe sehr wohl. 

Das Leben mit Behinderung bedeutet vor allem eines. Lernen. Lernen, bestimmte Dinge zu bewältigen und zu meistern, lernen, sich zu orientieren und zu organisieren, lernen, dass es Dinge gibt, die man auf die herkömmliche Art nicht schafft, auf unkonventionelle Weise aber schon. Nur weil man nicht gehen, rennen oder springen kann, heißt das nicht, dass man nicht auch skaten, oder Basketball spielen kann. Nur weil man nicht hört, heißt es nicht, dass man nicht Musiker sein kann. Nur weil man blind ist, heißt das nicht, dass man keine Kunst erschaffen kann. Nur weil man stumm ist, heißt das nicht, dass man sich nicht mitteilen kann. Es geht immer, nur eben anders als die “Normalen” es tun. 

Hört bitte auf Behinderte als etwas anderes oder gar besonders zu sehen oder zu definieren. Sie sind es nicht. Unter ihnen gibt es genauso dumme Idioten, wie in jeder anderen Statistik auch. Wenn sie bei irgendwas Hilfe brauchen, werden sie es sagen. Aber schließt sie nicht aus, nur weil sie anders sind. Es wird immer wieder über Inklusion gesprochen und alleine weil man noch darüber spricht, ist man noch sehr weit davon entfernt. Würde man Menschen nicht nach körperlichen oder geistigen Defiziten abkanzeln, würde man keine extra Schulklassen brauchen, die Kinder ausschließt. Und wer Kinder ausschließt hat eines nicht verstanden: Kinder sind die Zukunft. Es sind nicht die sportlichen Kinder, die klugen Kinder, die dummen Kinder, die wasweissich Kinder. Es sind die Kinder. Ohne vorheriges Adjektiv. Gebt ihnen ihr selbstbestimmtes Leben, so wie sie es sich vorstellen und hört auf aufgrund ihrer Behinderung über sie zu urteilen. Wozu haben wir ein Solidarsystem, wenn es systematisch Menschen ausschließt? Wusstet ihr, dass nach geltendem Recht Menschen, die einen gewissen Grad an Unterstützung benötigen, das Recht auf selbstbestimmtes Leben aberkannt werden kann und sie gezwungen werden können in Heime zu gehen, anstatt in ihren eigenen 4 Wänden zu leben? Alles nur, weil es ein paar wenige Euro billiger wäre. Wollen wir in einem solchen System leben? 

Warum rede ich davon, dass ich am Rande betroffen wäre? 


Ich bin Asperger-Autist. 

Wer sich damit nicht auskennt, wird das auch nicht erkennen. Wer aber Erfahrungen mit Asperger hat, wird die Merkmale erkennen. 

Wie wirkt sich das bei mir aus? 

Vieles von dem, was jetzt kommt, wird euch normal vorkommen, vieles auch vertraut, aber die Summe machts. 

-Um etwas gesagtes oder geschriebenes verstehen zu können, muss ich es mir vorstellen. Kann ich es mir nicht vorstellen, ergibt es für mich keinen Sinn. Zahlen zum Beispiel sind für mich der Horror. Ich kann mir dazu kein Bild machen. 

-In meinem Kopf laufen immer verschiedene Filme parallel. Ich habe durchgehend Gedanken, die alle möglichen Punkte betreffen. Vergangenheit, Gegenwart und mögliche zukünftige Dinge sind in meinen Gedanken direkt nebeneinander. Ich versuche das gern anhand von 5 nebeneinander aufgestellten Bildschirmen darzustellen, auf denen jeweils etwas anderes zu sehen ist. Mir wurde oft gesagt, ich würde zu sehr um die Ecke denken. Das kommt genau daher. 

-Ich kann mich sprachlich schlecht ausdrücken, um es verständlich zu machen, muss ich es aufschreiben. Dann klappt es meistens ganz gut. Genau so ist es mit dem Gedächtnis. Will ich mir etwas merken, muss ich es aufschreiben. Ich werde es danach immer noch vergessen, aber dann kann ich mir wenigstens das dazu Geschriebene ansehen. 

-Wenn ich mir etwas wirklich einrede, wird es für mich zur Wahrheit. Als Kind war ich ewig davon überzeugt, dass man irgendwann den Dienstag und den Freitag getauscht hätte. 

-In meiner Wohnung ist es immer dunkel. Wenn ich unterwegs bin, liebe ich die Sonne. Ich liebe es mir von den Sonnenstrahlen die Nase kitzeln zu lassen, mich im Frühling ins frisch gemähte Gras zu werfen und im Sommer am Strand herumzuexistieren. Aber zuhause brauche ich Dunkelheit und Ruhe. Ich kann sonst nicht abschalten. Das Licht stört mich zuhause und ich kann es nicht einmal erklären. 

-Ich suche in jeder Form ein Muster. Habe ich es, zeichne ich es in Gedanken nach. Wenn ich unterwegs bin und zum Beispiel die Begrenzungspfosten sehe, und die mal nicht genau gegenüber liegen, kann mich das gedanklich über Stunden aus der Bahn werfen. Wenn ich zu Fuß unterwegs bin und sich das Muster im Pflaster, zum Beispiel durch Reparaturen, nur an einer Stelle ändert, kann mich das so verwirren, dass ich dort stehen bleibe und versuche zu verstehen, warum das so ist. (Ist mir in Berlin mal passiert. Ich stand dort 2 Stunden.)

-Ich brauche Harmonie. Wenn sich Streß anbahnt muss ich weg. Ich habe Angst die Kontrolle zu verlieren. Als Kind war ich extrem aggressiv und habe in Tobsuchtsanfällen rot gesehen. Seitdem versuche ich jeden Streit zu meiden. Ich habe gelernt friedlich zu sein. Deswegen war ich 2 Jahre lang in psychiatrischer Behandlung. Damals ging man davon aus, ich wäre Choleriker. Heute wissen wir es besser. Ich musste lernen mich zu beherrschen und die Kontrolle zu behalten. Seitdem geht es ganz gut. Mein damaliger Therapeut, Herr Hecht (in Spandau), hat da wirklich wunder bewirkt. 

-Ich kann keine großen Menschenmengen ertragen. Die aufgezwungene Nähe ist mir mehr als unbehaglich und vor allem spielt dort die Angst vor Kontrollverlust wieder eine große Rolle. Deswegen wird man mich nicht, oder zumindest nur äußerst selten auf Konzerten, Festivals oder generell Festen sehen. Ich muss für mich die Kontrolle über die Situation behalten und das klappt in großen Menschenmengen nicht. 

-Ich kann keine Stimmen filtern. Wenn ich in einer Runde sitze und mich mit jemandem unterhalte und daneben unterhält sich noch jemand, kann ich das Gespräch nicht herausfiltern. Ich höre also gleichwertig alle Gespräche. Oft passiert es mir, dass ich dadurch unbewusst meine Stimme hebe und lauter spreche. Auch, wenn das gar nicht nötig wäre. 

-Ich kann mir keine Namen oder Geburtstage merken. Wenn ich wirklich regelmäßig mit jemandem zu tun habe, dann kann ich mir auch den Namen merken, aber Geburtstage? Keine Chance. Das ist bei mir so schlimm, dass ich seit Jahren die Geburtstage meiner Eltern und meines Bruders vergesse. Es gibt tatsächlich nur einen Geburtstag, den ich nicht vergessen kann und das ärgert mich seit 8 Jahren. Gruß an meine Ex. 

-Mich beruhigen die merkwürdigsten Dinge. Windräder zum Beispiel. Es kommt ab und zu vor, dass man mich unter einem dieser Dinger trifft. Entweder sitze ich dann dort und gucke einfach nur oder ich schlafe. Das gleichmäßige “woosh” der Rotoren beruhigt ungemein. Oder das gleichmäßige Blinken der Leuchten oben drauf. Oder einfach nur der Gedanke, dass es keine Todeszone gibt, wenn eines der Räder mal auseinander bricht. 

-Ich schlafe gern in der Wanne. Bei mir gibt es kein “Kurz mal in die Wanne”. Wenn ich einmal drin bin, bleibe ich dort auch für die nächsten 3-4 Stunden. Allerdings werde ich immer sofort müde und schlafe meist nach sehr kurzer Zeit dort ein. Auch wenn sich die Haut danach erst wieder da hin ziehen muss, wo sie hingehört und das Wasser unglaublich kalt ist, liebe ich das aufwachen danach. 

-Ich bin lieber für mich allein. Auch wenn ich gern Freunde um mich habe und körperliche Nähe sehr genieße, kann ich das nur für gewisse Zeit. Danach brauche ich meine Ruhe. 

-Ich habe regelmäßig starke Stimmungstiefs. Meist sonntags. Wenn die ganze Last der Woche vom mir abgefallen ist, liege ich da und versuche mich so wenig wie möglich zu bewegen. 

-Ich nehme viele Dinge peripher wahr. Beim Autofahren achte ich natürlich hauptsächlich auf den Verkehr, aber ich schnappe eben noch sehr viel mehr auf. Viele meiner Geschichten hier sind wegen einer Autofahrt entstanden. Und meist sind sie auch ganz genau so geschehen. 

Und noch so viel mehr… 

Bitte versteht das nicht als jammern. Seht es als Versuch zu erklären, warum ich bin, wie ich bin. Abschließend bleibt nur zu sagen: Hört auf die Menschen einteilen zu wollen. Seht sie als Menschen ohne Adjektive. Als Menschen. Jeder einzelne ist für sich einzigartig und hat eine Geschichte, der es zu lauschen gilt. Sie sind nicht immer spannend oder gar aufregend, aber sie sind immer eines: Einzigartig.

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Nie gestellte Fragen 

Heute vor genau einem Jahr schrieb ich den hier verlinkten Beitrag. Heute vor genau einem Jahr starb mein Opa. 

Diesen Text las ich auf seiner Beerdigung vor und es war für mich der schwerste Moment in meinem Leben. Doch auch danach beschäftigte er mich. Es ist erschreckend und traurig zugleich, wie wenig ich über diesen großen Mann weiß. Ich habe in den darauf folgenden Wochen sehr viel gelesen, gelernt und recherchiert und dennoch kratze ich nur an der Oberfläche dessen, was es noch zu entdecken gibt, im Leben meines Opas. 

Vieles wurde mir auch durch seine Freunde und langjährigen Begleiter erzählt, viele Anekdoten, die ihnen in Erinnerung geblieben sind. Die Bewunderung für seinen Mut und die Furchtlosigkeit, die er an den Tag legte, wenn es ihm wichtig war oder ihm etwas falsch erschien. Die Kollegialität, die viele an ihm schätzten aber auch seine diplomatische Schonungslosigkeit. Sie sagten mir, er konnte einem sehr ehrlich die Meinung geigen, dass es weh tat, aber auch immer so, dass man ihm dafür danken musste, weil er recht hatte. 

Meine Familie überließ mir viele Dokumente, mit denen ich die Familiengeschichte auf etwa 300 Jahre namentlich zurückverfolgen kann. Ich weiß wo und wie sie lebten, ich kenne ihre Namen und doch, ich werde nie wissen wer sie waren. Wie sie waren. 

Ein Kapitel im Leben meines Opas hat mich aber sehr beschäftigt. Die Flucht aus Groß Cammin, dem heutigen Kamień Wielki, das nordöstlich von Küstrin liegt. Vor ein paar Jahren haben meine Mutter und meine Großtante Christa, die leider auch schon von uns ging, niedergeschrieben, wie es damals war. Damals, an Weihnachten 1944, als sie alle zelte abbrechen und ihren Hof zurücklassen mussten um in Sicherheit zu sein. Damals, als sie mit ansehen mussten, wie Menschen in das Eis der Oder brachen und erkranken, oder dass sich Menschen erhängten, weil sie Angst hatten, oder als ihnen wieder und wieder klar gemacht wurde, dass sie als Flüchtlinge unerwünscht waren. 

Und dennoch fanden sie in Tietzow ihre neue Heimat und wurden Stützen der Gesellschaft. Mein Opa war viele Jahre Mitglied der Deutschen Bauernpartei, die nach der Wende mit der CDU fusionierte. Er engagierte sich sehr im Bereich Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und Energie und brachte vieles auf den Weg. 

Das sind so die großen Dinge, von denen ich weiß. Es gibt noch so unglaublich viel mehr, von dem ich aber einfach zu wenig weiß. Doch fragen kann ich ihn nicht mehr. So viele Fragen sind offen. Fragen, an die ich nie gedacht habe. Fragen, die ich nie gewagt habe zu stellen. Fragen, die ich einfach vergessen habe. Einfach nie gestellte Fragen. Das bereue ich sehr. 

Es gibt kein ruhiges Hinterland! 

Ich wurde vor kurzem gefragt, ob ich für den heutigen Tag eine kleine Rede schreiben könnte. Anlass ist der jährliche Aufmarsch der Neo-Nazis in Nauen um zu trauerfeiern. Thema der Rede sollte sein: Nauen zwischen SVV und Schneiders Verhaftung. Ich selbst kann leider nicht vor Ort sein, daher könnt Ihr sie hier in voller Länge lesen, wenn Ihr wollt. Gekürzt wird sie heute Abend aber auch zu hören sein. Am Ort des Anschlags, der Turnhalle. Zudem findet Ihr in diesem Post auch noch eine grafische Darstellung, die noch einmal alle Ereignisse als Zeitlinie darstellt. Inhaltlich sollte alles korrekt sein, wer dennoch einen Fehler findet, darf mich gern darauf aufmerksam machen. 
Titel: Es gibt kein ruhiges Hinterland! 
Hier an diesem Ort, eskalierte am 25. August 2015 die Gewalt, die wir, als Einwohner dieser Stadt, nicht in dieser Form erwartet hätten. Die Turnhalle des OsZ Havelland brannte völlig nieder. Verantwortlich dafür war ein Netzwerk von Neo-Nazis aus Nauen und Umland. Maik Schneider, zu dem Zeitpunkt noch NPD Politiker im Kreistag Havelland  und der Stadtverordnetenversammlung in Nauen*, sowie fest eingebundenes Gründungsmitglied der freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland, plante mit seinen Kameraden Wochen vorher bereits diesen Anschlag. Er kündigte in seinem Bekanntenkreis an “Das Ding wird brennen”! Dass er selbst dafür verantwortlich sein würde, wusste zu diesem Zeitpunkt, bis auf seine strammdeutsche Gefolgschaft, niemand. Doch das war nur der Höhepunkt. Das Netzwerk agierte bereits lange vorher und es ist weitaus größer und verzweigter, als durch die Medien bekannt. 
Erstmals offen agierte das Netzwerk um Schneider am 15. Februar 2015 bei einer Stadtverordnetenversammlung, bei der es um den Verkauf des Geländes, der heutigen Asylunterkunft, im Waldemardamm, ging. Schneider, damals noch nicht wieder in der Stadtverordnetenversammlung vertreten (er rückte später nach, weil Erik Brüning sich aus der Politik zurückzog), führte damals einen Mob an und ließ durch seine offen faschistischen Parolen die Stimmung aufheizen, die am Ende zum Abbruch der Stadtverordnetenversammlung führte. Die Polizei räumte sowohl den Innenbereich, in den bei weitem nicht alle Interessierten Platz fanden, als auch den Aussenbereich, den Schneider beherrschte. Drinnen, wie auch draußen, befanden sich strategisch gut verteilt ein “Who-Is-Who” der rechtsextremen Szene, die bereitwillig Schneiders Parolen folgten und die Meute animierte. Die Sitzung wurde dann unter Ausschluß der Öffentlichkeit fortgesetzt. An diesem Abend zeigte die Szene das erste Mal offen, was sie unter Diskussion und Demokratie versteht. Wer nicht ihrer Meinung war, wurde sofort niedergebrüllt. Ich sah dort viele verschüchterte und verängstigte Menschen, die, obwohl sie offen waren, sich nicht mehr offen positionieren wollten, aus Angst vor Drohungen und Gewalt. 
Zwischen März und Juli stand uns dann ein regelrechter Demo-Marathon bevor, der mit insgesamt 7 Demonstrationen der Rechten für unsere kleine Stadt wirklich viel war. Auch wenn die Beteiligung an den Demos von mal zu mal mehr schwand, immerhin begannen sie mit 200 Leuten, war es für uns jedes Mal wieder nervig und zeitraubend den Gegenprotest zu organisieren, zumal wir oftmals nur Stunden vorher Wind davon bekamen. Dennoch funktionierte es und wir konnten stabil immer um die hundert Menschen mobilisieren. Danke dafür. Bei den Rechten sah das etwas anders aus. Fingen sie noch mit rund 200 Menschen an, kamen von mal zu mal weniger Menschen, so dass der Gegenprotest ab der dritten Demonstration auf Augenhöhe war und die sich bei ihrer letzten Demo nicht mal mehr an uns vorbei trauten. Sie verkürzten ihre Routen und blieben lieber unter sich. 
Zur selben Zeit, also März bis Juni hatte das Parteibüro der Partei die LINKE sehr unter den Angriffen zu leiden. Insgesamt 9 Angriffe in 3 Monaten fanden statt, von denen sich mindestens 2 auf Schneiders Netzwerk zurückführen lassen. Mal wurden die Scheiben des Büros mit 29 Hammerschlägen eingedeckt, mal wurden Bruteier gegen das Büro geworfen, so dass die Fensterbank und der Boden mit toten Küken belegt war, mal wurden Farbbeutel gegen das Gebäude geworfen, von denen sich die Überreste noch immer an der Hauswand befinden, mal wurde auch einfach die Tür verklebt. Aber nicht nur das Büro der LINKEn hatte zu leiden, wenn auch am meisten, nein, auch das Büro der SPD wurde Ziel der Anschläge. Diese traf es zwar “nur” einmal, aber dafür mit sprichwörtlich voller Wucht. Dort wurden in der Nacht zum 17. Juni 2015 die Scheiben mit Steinen eingeworfen. Doch damit sind wir noch nicht am Ende angelangt. 
Im April 2015 wurde der Bus des Jugendvereins Mikado e.V., der sich seit vielen Jahren in der Stadt um Kinder und Jugendliche kümmert für eine der Demos als Lautsprecherwagen benutzt. In der Nacht darauf wurden dem Bus alle Reifen durchstochen. Es wurde ebenso eine Botschaft hinterlassen, die uns damals schon erahnen ließ, was uns im August dann Realität wurde. Auf dem Zettel, der hinter die Windschutzscheibe geklemmt wurde, stand: “Liebe Asylantenfreunde, Tröglitz ist auch hier. Bis bald!” Obwohl die Kriminalpolizei und der ihr angeschlossene Staatsschutz hin und her ermittelten, konnte kein Täter dingfest gemacht werden. Nachdem wir das ganze öffentlich gemacht hatten, erhielten wir viel Zuspruch und Spenden um dem Bus neue Schuhe verpassen zu können. Da die Ferien aber kurz bevor standen und Mikado traditionell ein Ferienprogramm veranstaltet, waren all die Spenden nutzlos, da der Bus noch weitere Wochen durch die Polizei für Untersuchungen gesperrt war. Dem Verein fehlte ein Bus im alle Kinder transportieren zu können. Schneider bekam davon Wind, welch ein Zufall, und stand noch am selben Tag süffisant und gönnerhaft grinsend vor der Tür des Vereins um ein Angebot zu unterbreiten. Ich war ebenfalls vor Ort, weil ich mit dem Verein, in dessen Vorstand ich zu diesem Zeitpunkt saß, zu beratschlagen, was wir nun tun könnten. Schneider bot seinen Bus an. Einen Bus, der zu diesem Zeitpunkt keinen TÜV mehr besaß und den er für alle NPD und freie Kräfte Demos nutzte. Wir lehnten sehr deutlich ab. Der einzige Grund, warum wir überhaupt mit ihm redeten, war, weil wir sehen wollten, ob er eventuell etwas damit zu tun haben könnte. Leider lässt sich seine Beteiligung bis heute nicht beweisen. Der Bus des Vereins wurde übrigens noch einmal angegriffen. Im März 2016. Nur 4 Wochen zuvor versuchte man das Auto von 2 Lokalpolitikern der Partei die LINKE abzufackeln. Das misslang allerdings zum Glück kläglich. 
Warum die Parteien und der Verein Ziel der Angriffe waren lässt sich ganz einfach sagen: Sie waren und sind Teil des Protests gegen die Nazis um Schneider. Sie alle zeigten Gesicht und Flagge und das versuchte man durch Gewalt und Einschüchterungen zu unterbinden. Das misslang zum Glück allerdings. Gleichzeitig versuchte man mit Schmierereien und Plakataktionen die Bürger aufzustacheln. So wurden im ganzen Stadtgebiet und vor allem vor Schulen Graffitis gesprüht. Mal mit Hakenkreuz und SS, mal mit dem Slogan “Heimatliebe ist kein Verbrechen”. Da jedes Mal dieselbe Farbe benutzt wurde, lässt sich zumindest vermuten, dass es sich um dieselben Täter handelt. Schneider selbst kann man einige Stickeraktionen nachweisen. Ich habe ihn selbst dabei beobachtet und verfolgt, um die Sticker wieder zu entfernen. 
Gleichzeitig versuchte man über dubiose Bürgerinitiativen sich selbst aus dem Fokus zu nehmen und dort nur im Hintergrund zu fungieren. Das war aber auch nicht von Erfolg gekrönt, da es zu offensichtlich war. So wurden zum Beispiel Flyer benutzt, die 1 zu 1 von anderen offen rechtsextremen Gruppierungen kopiert wurden, oder es wurden sehr fadenscheinige “Argumente” geliefert, die Geflüchteten würden nur neidisch werden, wegen der gegenüberliegenden Kleingartenanlage, etc. Nach nur einer Demonstration, die ebenfalls wieder mit Schneiders Hilfe (als Kontaktperson der Polizei) und Schneiders Bus als Lautsprecherwagen stattfand. 
Als das Auto eines in Nauen lebenden Polen am 17.Mai 2015 brannte, nachdem aus Schneiders Kreisen verbreitet wurde, dass der Mann Kinder belästigt hätte, wofür es nie einen Beleg gab, wurde uns klar, welche Macht diese Art von Lügen hatte. Zu dem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass Schneider und Dennis W. (einer der anderen beiden Hauptangeklagten) selbst für den Brand verantwortlich waren. Wir verfolgten den Tag über die Diskussionen und Mordaufrufe waren keine Ausnahme, sondern die Regel. Es war erschreckend, wie schnell sich die Leute aufhetzen lassen und das ohne überhaupt zu wissen, ob derjenige überhaupt etwas getan hatte. Generell war der Ton seit Anfang 2015 ein deutlich anderer geworden. Geflüchtete, die noch gar nicht in Nauen waren, hatten dort schon Mercedesse geschenkt bekommen, die Läden geplündert, die Menschen auf der Straße beraubt, vergewaltigt und gemordet. Auch, wenn es totaler Unsinn war, fanden sich doch immer ein paar Leute, die das für bare Münze nahmen und sich so weiter radikalisierten. 
Nur 2 Wochen später, am 1. Juni, wurde dann das Dach des Nauener Lidl durch einen zur Bombe modifizierten Böller in die Luft gejagt. Auch wenn zumindest nach kurzer Zeit noch kein direkter Zusammenhang hergestellt werden konnte, stellte sich bald heraus, dass auch dafür Dennis W. verantwortlich war. Der letzte Hauptangeklagte ging in der Nacht des 31. Juli 2015, seinen Angaben nach stockbesoffen, zur Baustelle des Wohnheims und fackelte dort ein Dixie-Klo ab. Wahrscheinlich, weil zu diesem Zeitpunkt noch nichts weiter dort stand. Heute wissen wir, dass zu diesem Zeitpunkt bereits der Plan stand, die Turnhalle des OsZ abzufackeln. Schneider und Konsorten kauften bereits Wochen vor dem Anschlag Ölfass, Holz und Reifen, sowie eine Gasflasche ein, die dort zum Einsatz kommen sollten. Die Ausrede die Schneider vor Gericht einbrachte, er wollte nur die Halle etwas einrußen, war im Hinblick auf die verwendeten Materialien demnach sinnlos. Die Halle sollte unbewohnbar sein. Das war der Plan. Nicht mehr, nicht weniger. 
Doch kommen wir langsam zum Schluss. Den Abschluss machten Handzettel, auf denen auf der Vorderseite ein Pamphlet abgedruckt war, welches unverblümt Ausländer beschimpfte und auf der Rückseite detaillierte Angaben zum Bau von Bomben und anderen Sprengkörpern gab. Diese wurden in der Nacht zum 20. Februar 2016 in ganz Nauen verteilt in die Briefkästen gepackt. Es war wirklich erschreckend, wie weit Menschen gehen und andere für sich gehen lassen würden, nur um das eigene Ziel durchzudrücken. Das schlimmste aber war zu sehen, wie bereitwillig die Menschen aber zu folgen bereit waren und sind. 
*Schneider wurde während seiner Gerichtsverhandlung aus der NPD geworfen. Nicht wegen seiner Taten, sondern weil er seit März 2016 keine Beiträge mehr gezahlt hatte.

Bildquelle Beitragsbild (Schneider in rot): Presseservice Rathenow https://www.flickr.com/photos/presseservice_rathenow/sets/72157653625228346/

Bildquellen Zeitstrahl: habsch selbst g’macht 

Alle Wege führen durch Herzsprung

Freitag Abend. Ich will auf dem Weg nach Hause nur noch schnell den LKW betanken und dann nichts wie ab nach Hause und ins Bett. So fahre ich also in Herzsprung von der A24 ab und auf den dortigen Autohof. Ich beginne zu tanken, da kommen 2 Reisebusse auf die Tankstelle. Damit muss man rechnen. Womit man aber nicht rechnet ist das, was in dem Moment passiert, nachdem sich die Türen der beiden Busse öffneten. 

Es ergaß sich ein schier endloser Strom an Pubertanten auf die Tankstelle, die viel zu cool für diese Welt sind. Dieser endlose Strom goss in Richtung Tankstellen-Shop und die einzige Verkäuferin wappnete sich. Ich war fertig mit tanken und ging in den Shop um zu bezahlen. Ich betrat den Laden und bereute, wie ich noch nie etwas bereut hatte. Vor mir standen 100 Pubertanten, es hätten 10.000 sein können, ich hätte keinen Unterschied bemerkt. Und jeder einzelne hatte 1 Flasche Wasser und irgendwas zu knabbern in der Hand. Und weil wir in Deutschland sind und es hier immer etwas anders läuft, musste die arme Dame am Tresen jedem einzeln erklären, dass auf den Preis noch 25 Cent Pfand ausgerechnet werden. 100 mal.
100 mal verständnislos gucken. 100 mal Brieftasche wieder rauskramen. 100 mal Kleingeld zählen. 100 mal kleine Trippelschrittchen, die ich Richtung Kasse machte. 
In der Zeit, die ich mit Schlange stehen verbrachte, konnte ich mir mal die Jugend von heute ansehen. Alle trugen Jogginghose und Badelatschen. Tatsächlich alle. Und die Mädels der Truppe hatten alle entweder zu viel Augenbrauen oder viel zu wenig. Manche haben sich scheinbar einfach einen dicken Edding geschnappt und mal drauf los gemalt. Andere dafür wahrscheinlich Stunden vor dem Spiegel verbracht. Nur die allerwenigsten hatten überhaupt noch normale Augenbrauen. Es kristallisierte sich aber schnell heraus, dass die Damen mit den dicksten Eddingstrichen auch die vermeintlich coolsten der Gruppe waren und obwohl ich sie nicht verstand, war es wirklich einfach herauszufinden, wer bei ihnen auf der Abschussliste stand. 
Da war dieses eine Mädchen, in ein paar Jahren würde sie wahrscheinlich alle mit einem Lächeln und Augenaufschlag um den Verstand bringen, die im Gegensatz zu den Balkenmädchen ganz natürlich wirkte und einfach nur da stand. Sie war die Nummer 1. Sowohl auf der Abschussliste, als auch, wahrscheinlich sogar genau deshalb, bei den Jungs. Sie wurde ständig umgarnt und jeder hormongebeutelte Lanzenträger wollte sie vorlassen. Sie lehnte aber jedes Mal mit einem Lächeln ab. Ich kam nicht umhin das sehr zu bewundern. Sie war auch die einzige, die neben ihrer Wasserflasche und ein paar Gummibärchen auch ein “Lustiges Taschenbuch” kaufte. Damit war sie mir schlagartig sympathisch. Die Balkenmädchen beäugten sie sehr herablassend und ab und zu kam auch mal ein Zischen in ihre Richtung. Ich hoffe, sie wird nicht irgendwann im Schlaf besucht. Es soll ja schon vorgekommen sein. 
Mir ist auch aufgefallen, dass Jugendliche einfach nur laut sind. Sie gehen nicht zu den Leuten, mit denen sie reden wollen, nein, sie brüllen ihnen zu. Auch wenn sie quasi direkt neben ihnen stehen. Befindet sich der Angebrüllte gerade in einem eigenen Gebrüll mit jemand anderen, wird einfach lauter gebrüllt. Irgendwann war es dann so laut, dass ich einfach mal mitgebrüllt habe. Dadurch, dass meine Stimme wesentlich lauter und dazu noch wesentlich tiefer ist, konnte ich die Pubertanten schnell beruhigen. Schnell aber leider nur kurz. 
Irgendwann, nach 24 Minuten, 2 Hörstürzen und 1000 kleinen Trippelschrittchen war ich endlich an der Kasse. Ich habe der entnervten Verkäuferin dann einen Kaffee spendiert, den sie wohl auch dringend brauchte. Ich zahlte und wollte den Laden verlassen, da fiel mir eine weitere Besonderheit bei Jugendlichen auf. Sie stehen einfach nur in der Gegend rum. Leider auch immer in genau der Gegend, durch die ich gerade will, wie zum Beispiel die Ladentür. So standen also einige Balkenmädchen in der Tür und waren einfach nur cool. Drinnen war noch ein männlicher Schönling und guckte. Sie wollten ihn wohl auf sich aufmerksam machen. Leider war ich der einzige, der auf sie aufmerksam wurde, und ich wollte das nicht einmal. Ich wollte einfach nur raus. Das schienen sie nicht zu verstehen und so blieb ich vor ihnen stehen und stand eben auch nur rum. Ich wollte auch mal wieder jung sein und dazu noch cool. Leider war ich den Balkenmädchen nicht cool genug, vielleicht lag es am fehlen der Jogginghose und der Badelatschen, ich weiß es nicht. Nach gefühlten Minuten des gegenseitigen Anstarrens machte eines der Balkenmädchen einen kleinen Schritt zur Seite und ich verließ hohen Hauptes den Laden. Endlich war ich mal wieder cool und jung. 
Dann ging ich an den Bussen vorbei, weil ich einfach nur wissen wollte woher sie stammten, da ich die Sprache nicht zuordnen konnte. In der Frontscheibe waren Schilder angebracht mit Start- und Zielort. Jetzt wurde mir auch klar, warum alle in Jogginghose und Badelatschen unterwegs waren. Die Busse waren unterwegs von Sarajevo nach Stockholm. Hui, dachte ich und Fabian mal bei google maps beide Städte ein. Das ist eine Reise von 2519 km. Und dann habe ich mir die Routen dazu angesehen. Alle Wege führen durch Herzsprung. Ich fand das interessant. Und trotzdem male ich mir nicht mit einem Edding im Gesicht rum. Schon gar nicht mit Absicht. Zumindest nicht oft.

Geschichten von der Straße 

Es gibt Dinge, die erwartet man auf einem Pizzabrötchen einfach nicht. Senf, zum Beispiel. 

Wenn man, so wie ich, den überwiegenden Teil des Tages auf der Straße verbringt, bleibt es manchmal nicht aus, dass man sich an der Tanke etwas für den kleinen Hunger zwischendurch holt. Meistens bleibt es bei der altbewährten Bockwurst, aber manchmal sieht etwas auch so verlockend aus, dass man doch mal etwas anderes nimmt. 

Wie zum Beispiel dieses kleine, aber feine Pizzabrötchen, welches die junge Dame hinter der Theke gerade aus dem Ofen genommen hat. 

Ich lächelte sie an und sie wusste sofort bescheid. Also sofort, nachdem ich ihr verständlich gemacht hatte, dass ich eines der Pizzabrötchen wollte. Es sah aber auch toll aus. Dick belegt, ordentlich überbacken, so richtig lecker eben. Sie warnte mich noch auf diese spezielle Tankstellenbediensteten-Art: “Is aber noch heiß, wa.” ich musste ihr versprechen, dass ich das leckere, mit Liebe gemachte Pizzabrötchen nicht sofort verspeisen würde. Gut, eigentlich musste ich ihr gar nichts versprechen, es war ihr auch total egal, ich tat es dennoch. Mir ging es einfach gut. Tank im LKW voll, alle Kunden abgefahren, der Feierabend ist zumindest realistisch zum Greifen nah und auf dem Tisch dieses heiße, dampfende Pizzabrötchen. Super. 

Und dann endlich war der Moment gekommen. Das Pizzabrötchen war so weit abgekühlt, dass die Gefahr einer Verbrennung dritten Grades zumindest minimiert ist. Ich beiße in das Brötchen und schmecke Senf. Ich mag Senf nicht. 

Verdammt, das ist ein PIZZAbrötchen! PIZZA! Ich weiß, man kann Pizza mit allen möglichen und unmöglichen Dingen belegen, aber niemals ist da Senf dabei! Es gibt einfach Dinge, die man auf einem Pizzabrötchen einfach nicht erwartet. Senf, zum Beispiel. Bäh.

Vater- Herrentag

Es gab mal eine Zeit, da feierten Väter noch gesittet ihren ganz eigenen Ehrentag, den Vatertag. Da gab es feste Regeln.

Hier ein kleiner Auszug:

1. Mann wacht auf
2. Mann trinkt ein Bier
3. Mann setzt sich auf sein Fahrrad
4. Mann trinkt ein Bier
5. Mann steigt ab, weil er bemerkt, dass er nackt ist
6. Mann trinkt ein Bier
7. Mann geht auf Toilette, die ersten 3 Biere ausscheiden
8. Mann zieht sich ein paar Klamotten an
  8.1. Vorzugsweise ein sauberes T-Shirt (Als sauber gilt jedes T-Shirt, welches nicht länger als 5 Sekunden von allein steht)
  8.2. Vorzugsweise eine saubere Hose (Als sauber gilt jede Hose, die nicht von allein flüchten kann)
9. Mann trinkt ein Bier
10. Mann schmückt sein Fahrrad mit Grünzeug
  10.1. Vorzugsweise sind die von der Frau liebevoll gepflegten Büsche zu nehmen (Sie wird das verstehen, denn es ist Vatertag)
11. Mann trinkt ein Bier
12. Mann beschwert seinen Bollerwagen mit mindestens einer Kiste Bier
13. Mann trinkt ein Bier
14. Mann geht erneut zur Toilette. Neuer Platz für Bier muss geschaffen werden
15. Mann überprüft seinen Pegel indem er etwas gröhlt. Versteht er sich noch selbst, ist der Pegel noch nicht erreicht.
16. Sind Punkt 1 – 16 erfolgreich absolviert, genehmigt sich der Mann ein Bier als Belohnung
17. Mann setzt sich eine Plastik-Gartenteich-Ente auf den Kopf und radelt zum Saufen mit den Kumpels

Das waren einfache und leicht beherrschbare Regeln. Jeder Mann konnte sie einfach befolgen. Doch nun? Im Jahre 2014 begegnen mir immer wieder kleine Jungs, die (ganz die harten Männer) mit extrem viel SWAG bewaffnet, Bier saufend auf der Parkbank sitzen und nichts tun, als zu atmen. Wo sind die echten Väter, die diesen Hansels mal zeigen würden, wie man richtig feiert?
Ich vermisse diese Zeiten.

Neujahrsansprache

Meine Neujahrsansprache für den Fall, dass ich doch irgendwann mal Bundeskanzler werde.

Hallo liebe Bürger, verehrter Pöbel, geneigtes Wahlvieh, draußen im Lande.
Auch den jungen Leuten im Lande gilt mein Gruß. Jo, ihr Smombies, hört mal kurz auf zu merkeln, chillexen oder was auch immer ihr gerade so macht. Hände aus der Hose und Ohren aufgeschnallt. Ich will kurz mal was loswerden.

Das vergangene Jahr war großartig. Wir haben großartige Sportler in diesem Land, die garantiert wieder unglaublich viele Preise gewonnen haben. Die Wissenschaftler haben bestimmt wieder unglaublich tolle Dinge erfunden, entdeckt oder heilen können. An all diese Leute geht mein Dank. Mein Dank geht auch an all die hart und härter arbeitenden Menschen da draußen. Ihr seid Spitze! (Pose für Standbild einbauen)

Wir haben viel erreicht im vergangenen Jahr, aber leider nicht alles. Wir arbeiten aber daran. Die Ziele für das kommende Jahr sind zum Einen:
-Wombats für alle!
-Die Einhornforschung voran treiben.
-Pizza für alle!
-Fettes Internet für lau für alle!
-Strom, Wasser, Gesundheit und Telekommunikation wieder verstaatlichen und über Steuern finanzieren!
-Ein eigener Fernsehsender nur mit Katzenbabys, moderiert von Emma Watson und Dwayne “The Rock” Johnson
-Kostenloser Personennahverkehr

Lassen Sie uns das anpacken und umsetzen. Auf dass das kommende Jahr noch viel besser wird.

Zum Abschluss möchte ich noch eine Bitte an Sie richten. Bitte lachen Sie mehr. Leben Sie glücklich und geben Sie etwas Glück ihren Nächsten. Sie haben es verdient. Es sei denn, Ihre Nächsten sind unbelehrbare Dumpfbacken. Dann lachen Sie diese bitte aus. Das wünsche ich mir für das kommende Jahr.

Vielen Dank und rutschen Sie gut in das neue Jahr. Tschöö mit Ö.